In Minheim soll die alte Tradition des Ausschellens wiederbelebt werden. Drei Bürger des Ortes haben sich bereit erklärt, das Amt zu übernehmen. Die Premiere ist gut angekommen.

Als Annelen Falkenburg, Joachim Lobüscher und Michael Scholtes mit Megafon, Glocke und Zettel losziehen, sind sie bester Laune, denn sie treten ihren ersten Weg als „Ausscheller“ durchs Dorf an. Verkünden wollen sie, dass das erste Minheimer Dorfcafé am nächsten Tag stattfindet, es dort Kuchen und Waffeln gibt und jeder ein Gedeck und ein Glas Wein mitbringen soll. Zuerst ist die Resonanz verhalten, aber schon nach kurzer Zeit kommen die Leute aus den Höfen, es gehen Fenster auf und die Minheimer hören sich an, was die drei zu sagen haben. Dabei bekommen sie sehr viel Zustimmung. „Toll, dass das wieder gemacht wird“, sagt einer der Anwohner. Von einigen werden sie auch fotografiert. Und manchmal müssen sie ihre Botschaft wiederholen, wenn die Leute den Anfang nicht mitgekriegt haben.

Eine Anleitung oder Tipps, wie sie an ihr neues Ehrenamt herangehen sollen, brauchen die drei nicht. Joachim Lobüscher sagt lachend: „Wir haben unseren Ausscheller ja jahrzehntelang gehört.“ Mit „ihrem“ Ausscheller meinen sie Josef Simon. Er hat bis vor etwa sieben Jahren im Ort kundgetan, wann es Erbsensuppe bei der Feuerwehr gab, was der Frauenverein für Veranstaltungen hat und Ähnliches. Einen Tag vor den Veranstaltungen ist er bestens ausgerüstet zur Erinnerung noch einmal durchs Dorf gefahren. Sein Megafon hatte er am Fahrrad festmontiert. Und es war mit einem Mikrofon, durch das er gesprochen hat, verbunden. Seine Glocke war ebenfalls immer mit dabei. Die hat er den drei neuen Ausschellern für deren Premiere sogar ausgeliehen. Auf dem Weg durchs Dorf treffen sie ihn. Er freut sich, dass die Tradition wiederbelebt wird. „Die drei machen das gut“, erklärt er. Dann ziehen sie weiter und halten an den Kreuzungen und Knotenpunkten im Ort an, um ihre Informationen, die sie natürlich auf Minheimer Platt verkünden, weiterzugeben. „Wichtig ist auch, dass man das Ganze mit Humor rüberbringt. Die Informationen müssen stimmen, aber das muss ja nicht stocksteif sein“, sagt Annelen Falkenburg. Und das gelingt ihnen auch. Damit es für alle gleich anstrengend ist, wechseln sie sich mit Glocke, Megafon und Zettel ab. Mehr als eine Stunde haben sie für ihre Tour eingeplant. „Je nachdem, ob wir noch was zu trinken angeboten bekommen, sonst kann es auch länger dauern“, meint Michael Scholtes augenzwinkernd. „Aber wir wollen das für die Gemeinschaft im Dorf machen, und die Kommunikation untereinander wieder ins Dorf und auf die Straße holen“, ergänzt Joachim Lobüscher.

Das war auch der Grundgedanke bei der Dorfmoderation, die seit August im Ort organisiert wird. Sonja Scholtes, Koordinatorin der Dorfmoderation sagt: „Wir haben eine Arbeitsgruppe Dorfgemeinschaft. Und da ist die Idee entstanden, das Ausschellen wieder zu beleben. Die Umsetzung war nicht schwierig. Ich habe ein wenig herumgefragt und schnell die Zusagen der drei bekommen.“

Text: Christina Bents, Klausen